NEU: Jakob Pretterhofer ° Tagwache
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Ungerhofer nannten sie Stinki, weil er aus dem Mund roch.
Tadić nannten sie zuerst Quotenneger, weil er in Serbien geboren wurde, und dann Fidel, weil er sich ständig auflehnte.
Obkircher nannten sie Herr Doktor, obwohl er Diplom-
ingenieur war.
Marschall, Lampl und Konrad nannten sie Maturant, weil
sie Maturanten waren.
Primig hatte keinen Spitznamen. Nur Konrad nannte ihn
Don Juan à la Prolo.
Sauper nannten sie General Saubär, weil er sich selber so nannte.
Leitgeb nannten sie Forrest Rambo, weil er so schnell wie Forrest Gump und so brutal wie Rambo war.
Pfeifenberger nannten sie Freakshow, weil sein Gesicht ständig zuckte und er mit jedem Tag beim Heer obszöner wurde.

Arbeit, Struktur und Widerstand

Jakob Pretterhofer taucht in seinem Debütroman Tagwache tief in die hierarchischen Strukturen des Militärs ein. An einer Handvoll Rekruten und ihrer Ausbildner zeigt er die ambivalenten und  durchaus brutalen Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen Menschen, die nur per Zufall für eine gewissen Zeit miteinander umgehen müssen und die sich nur per Nachnamen kennen. Im Brennpunkt steht der schüchterne (Thomas) Lampl, dessen Missgeschicke öfters zu Kollektivstrafen führen und die ihn zu einem Mobbing-Opfer machen. Der Ausbildner Wachtmeister Hütter verhält sich zwar korrekt, ihm fehlt es aber an Mut und Empathie, um in die langsam eskalierenden Konflikte einzugreifen …

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Alle Fotos: Andreas Scheriau