Ein siebenjähriger Junge liegt nach einem Unfall im Krankenhaus und ringt nach einer letzten Operation um sein Leben. Wie es zu diesem Unfall kommen konnte und welche Rolle sein Vater Jakob und dessen Gesichtsblindheit (Prosopagnosie), die schon einmal für den Tod eines Menschen verantwortlich zeichnete, dabei spielen, ist auch Monate nach dem Vorfall noch Gegenstand behördlicher Ermittlungen. Der Mutter und Ich-Erzählerin bleibt einstweilen nur, sich selbst auf die Suche nach Antworten zu begeben. Aus Bruchstücken versucht sie Jakobs Leben zu rekonstruieren, um zu erfahren, welche Verantwortung er für den Unfall des Jungen trägt, und stößt dabei auf ein Leben ohne Kontinuität, ohne Verbindlichkeiten, ohne Halt, als immer andere Person.
Nach ihrem viel beachteten und mehrfach ausgezeichneten Debüt Schnittbild legt Anna Felnhofer ihren zweiten Roman Prosopon vor, ein sensibles und vorsichtiges Erkunden, ein poetisches und sprachmächtiges Kreisen um Verlust und Identität.
ANNA FELNHOFER, ist Wissenschaftlerin, Klinische Psychologin, Schrift-stellerin sowie Gründerin und Leiterin des Pediatric Virtual Reality Laboratory (PedVR-Lab) an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Herausgabe von vier (Lehr-)Büchern, ebenso wie Veröffentlichungen von Erzählungen, für die sie 2020 mit dem Emil-Breisach Literaturpreis der Akademie Graz (2. Platz) und 2024 bei der Floriana Biennale für Literatur ausgezeichnet wurde.
Felnhofers Debütroman Schnittbild (Luftschacht 2021) erhielt die Buchprämie der Stadt Wien, den Franz-Tumler-Literaturpreis 2021 und wurde für den Österreichischen Buchpreis Debüt 2021 nominiert. Beim Bachmannpreis 2023 wurde ihr Text Fische fangen – ein Ausschnitt aus dem Roman Prosopon – mit dem Deutschlandfunkpreis prämiert.
Bei Luftschacht erschienen:
Prosopon (Roman, 2026)
Schnittbild (Roman, 2021 [2.A. 2023])
>>> Website Anna Felnhofer
>>> Portrait Anna Felnhofer zum Bachmannpreis
Mit Prosopon hat die österreichische Psychologin Anna Felnhofer einen analytisch brillanten, dramaturgisch bezwingend gebauten und schmerzlichen Roman vorgelegt.
– Kirsten Voigt, taz –
Liebe, Angst und Hass, das zeigt Anna Felnhofer mit bewundernswerter Subtilität, lassen sich nicht feinsäuberlich auseinanderklauben.
– Daniela Strigl, FAZ –
[…] Prosopon [ist] ein so mutiger wie kluger Roman […] Anna Felnhofer hat auf beeindruckende Weise das passende literarische Verfahren für eine faszinierende Figur gefunden […]
– Nora Karches, deutschlandfunk –
Sprachlich ist dieser Roman (…) von enormer Kraft und atmosphärischer Dichte (…) Prosopon ist ein Buch über die Suche nach Halt und Identität, über Vertrauen und Verlust, über Ankommen und Loslassen (…) Anna Felnhofer vermittelt ihre Erkundungen in einer so dichten wie poetischen Sprache, dass man dieses Buch nicht aus der Hand legen möchte.
– Katharina Hirschmann, Ö1 Ex Libris –
Wie die 1984 in Wien geborene Autorin mit glasklarer Prosa gleichermaßen verdichtete wie verstörende Bilderwelten erzeugt, ist höchst bemerkenswert und von seltener Güte. Mit dem Roman legt (…) Anna Felnhofer eine Souveränitätserklärung der Literatur vor, die jeden Preis verdient.
– Josef Bichler, Der Standard –
Eminent interessant, eminent gut komponiert, gebaut wie ein Spiegelkabinett, weil der Spiegel eine zentrale Rolle hat. Der erste Wutausbruch des jungen Mannes, der diese Prosopagnesie hat, geschieht vor einem Spiegel im Kindergarten, in dem er sich selber nicht erkennt, sein eigenes Gesicht nicht zusammensetzen kann. Diese tiefe erste traumatische Verstörung, sich nicht selbst zu begreifen, erfassen zu können, ergibt die Poetologie des Romans.
– Kirsten Voigt, SWR Bestenliste –
Man bekommt mit diesem Roman eine Ahnung von einem Defekt der Signalverarbeitung im Gehirn, der es für die Betroffenen extrem schwer macht, gute Beziehungen zu anderen zu haben. Das erinnert an die Romane von Thomas Melle, die von den Auswirkungen einer bipolaren Störung erzählen. Leben kann eine Zumutung sein.
– Cornelia Geißler, Berliner Zeitung –
Felnhofer spannt ein dichtes Geflecht an Motiven und interetextuellen Bezügen und schafft dabei das Kunststück, die vielen erzählerischen Elemente zusammenzuhalten, ohne sie einer strengen Hermeneutik zu unterwerfen. […] Prosopon ist so klug wie berührend, in feiner Balance zwischen Distanz und Nähe zu den Figuren.
– Veronika Schuchter, Die Furche –
[Es] bestechen Felnhofers präzise, bildhafte Sprache, mit der sie ihr komplexes Thema entwickelt, und das lustvolle Spiel mit Alliterationen in ihrem atmosphärisch dichten, souverän erzählten Roman.
– Monika Vasik, Die Presse –
Die klinische Psychologin Anna Felnhofer ist eine angesehene Wissenschafterin und noch mehr: Ihr Roman Prosopon ist ein verstörendes Meisterwerk.
– Heinz Sichrovsky, News –
Felnhofer schreibt all dies in einem souveränen Stil, der gekonnt starke Bilder zeichnet, um psychische Abgründe auszuleuchten. Es entsteht so ein Panorama von Fremdheiten – hinsichtlich der Beziehung zu sich selbst wie zu anderen.
– Alexander Peer, Literaturhaus Wien –